Die Junkers Ju 52 D-AQUI

Die »Junkers Ju 52« ist weit mehr als nur ein erfolgreiches Flugzeug der frühen Luftfahrtgeschichte, sie ist eine Legende, ja ein Mythos. Die dreimotorige Ju 52 war das Ergebnis der konsequenten Weiterentwicklung der bahnbrechenden Junkers F 13 von 1919, dem ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt. Das unverwechselbare Merkmal der F 13 war die Wellblechhaut. Auch die Folgemuster bis zur Ju 52 hatten sie, es wurde das weltweit bekannte Markenzeichen der Junkers-Flugzeuge. Die Ju 52 war das Flugzeug, das in den 30er Jahren im Zuge der Erkundung und des Aufbaus der frühen Flugverbindungen zwischen Ländern und Kontinenten für hervorragende Zuverlässigkeit und Sicherheit stand. Mehr als 5.000 Maschinen wurden insgesamt gebaut. In den Kriegsjahren wurde ihr hohe Bewunderung zuteil als die »Tante Ju«, hat sie doch − oft trotz schwerer eigener Beschädigung − unzählige Verwundete aus den Frontgebieten ausgeflogen und so Leben gerettet. Rund 500 Ju 52 kamen in über 40 Ländern der Welt zum zivilen, kommerziellen Linienflugeinsatz, davon bei der Lufthansa bis zu 80 Maschinen. Die konsequent verfolgten Junkers-Konstruktionsprinzipien galten der Leistungsfähigkeit, Einfachheit und Robustheit, damit der Wartbarkeit, Zuverlässigkeit und daraus resultierend hoher Wirtschaftlichkeit. Nicht wenige der technischen Finessen in den heutigen Airbus- und Boeing-Flugzeugen gehen auf Patente der Junkers-Werke zurück.

Die lange und abenteuerliche Geschichte der Lufthansa Ju 52 D-AQUI von ihrem Erstflug 1936 bis heute, erzählt sie uns am besten selbst − Sie finden sie in den → Memoiren [pdf].

 

Lebenslauf der D-AQUI

6. April 1936
Erstflug der Ju 52 D-AQUI »Fritz Simon« in Dessau und Auslieferung an die Lufthansa.

1. Juni 1936 bis 8. April 1940
Verkauf an die norwegische DNL, Kennzeichen LN-DAH »Falken«.

9. April 1940 bis 22. September 1940
Deutsche Luftwaffe und anschließend Übergabe an die Lufthansa.

23.September 1940 bis Mai 1945
Sie fliegt als D-AQUI »Kurt Wintgens« wieder bei der Lufthansa.

28. Mai 1945 bis August 1945
Bei der norwegischen Luftwaffe. Große technische Probleme.

September 1945 bis Januar 1948
Wieder bei der DNL in Norwegen, Kennzeichen LN-KAF »Askeladden«. Aus dieser und einer weiteren Ju 52, Baujahr 1943, entsteht eine neue Ju 52.

14. Februar 1948 bis Oktober 1956
Bei der SAS mit gleichem Kennzeichen LN-KAF »Askeladden«. Fliegt auf allen norwegischen Küstenrouten.

Anfang 1957
Christof Drexel, ehemaliger Lufthansa Pilot, kauft sie. Umbau in Oslo auf ein Räderfahrwerk.

30. Juli 1957
Verschiffung mit 20 t Ersatzteilen nach Ecuador.

August 1957 bis 1962
Bei der TAO, Transportes Orientales S.A., fliegt sie von Quito (2.800 m hoch) aus Passagiere und Fracht im gesamten Amazonasgebiet. Kennzeichen HC-ABS »Amazonas«.

1962 bis 1970
Am Rande des Flughafens von Quito steht sie acht Jahre unbenutzt.

25. Mai 1970
Lester F. Weaver, ehemaliger Bomberpilot, kauft sie für 5.000 USD.

Oktober 1970
Wieder flugtüchtig. Kennzeichen N130LW. Acht Tage Überführungsflug nach Illinois in den USA.

21. Mai 1972
Wegen technischer Probleme nur Zulassung in der Experimental-Kategorie.

Mitte 1974
Verkauf an Cannon Aircraft für 36.000 USD.

Ende 1974
Für 52.000 USD kauft sie Martin Caidin, Schriftsteller.

März 1975 bis Ende 1976
Überführung nach Titusville, Florida. Große Instandsetzung. Einbau von P&W 1340 Motoren. Räder und Bremsen von einer Curtiss C46. Neues Leben als »Iron Annie«, N52JU.

Sommer 1984
Lufthansa kauft sie von Martin Caidin.

12. Dezember 1984 bis 28. Dezember 1984
8.000 km Überführungsflug von Opa Locka, Florida, über Labrador, Grönland, Island, Schottland und England nach Hamburg.

Januar 1985 bis April 1986
Umfangreiche Restaurierung auf der Lufthansa-Basis in Hamburg. Einbau diverser moderner Systeme. Zulassung als Verkehrsflugzeug der höchsten Klasse, Personenbeförderung 1. Erfüllt die neuesten Bauvorschriften.

6.4.2001
65. Geburtstag (seit Erstflug) und 15. Geburtstag seit ihrer »Wiedergeburt« 1986. Logbuch ihres »zweiten Lebens« als Lufthansa Ju 52: 9.624 Flüge bei 4.919 Flugstunden, Zahl der geflogenen Passagiere: 109.124.

bis heute
Jährlich ca. 400 Flugstunden und ca. 700 Flüge mit 8.000−10.000 Passagieren in Deutschland und angrenzenden Nachbarstaaten.

 

Literatur

Über die Legende Ju 52 gibt es schon seit geraumer Zeit eine Vielzahl von Büchern und Artikeln in diversen Fachzeitschriften. Die angeführte, nicht vollständige Aufzählung führt zur einschlägigen Literatur mit weiterführendem geschichtlichen und technischen Hintergrund.

Helmut Erfurth:
Die legendäre Ju 52
Geramond, 2009

Peter Pletschacher:
Die Geschichte der alten »Tante Ju«
Aviatec Verlag, 1989

Erich H. Heimann:
Die Flugzeuge der Lufthansa 1926 bis heute
Motorbuch Verlag Stuttgart, 1980

Joachim Wölfer:
Von der Junkers F 13 zum Airbus
Verlag E. S. Mittler & Sohn, 1994

Günter Schmitt:
Hugo Junkers − Ein Leben für die Technik
Aviatec Verlag, 1991

Karl-Dieter Seifert:
Der Deutsche Luftverkehr 1926−1945
Verlag Bernard & Graefe, 1999

Flugzeug Classic
Sonderausgabe »75 Jahre Lufthansa«
GeraNova Verlag, 2001

 

Technische Daten

Baumuster
Kennzeichen
Triebwerk
 
Triebwerksleistung
Besatzung
Passagiere
Spannweite
Länge
Höhe
Flügelfläche
Leergewicht
max. Startgewicht
Reisegeschwindigkeit
Startgeschwindigkeit
Höchstgeschwindigkeit
max. Reichweite
max. Flugdauer
Startrollstrecke
Landerollstrecke
Tankinhalt

Junkers Ju 52/3m
D-AQUI (historisch), D-CDLH (neu)
3 Neunzylinder-Sternmotoren
Pratt & Whitney PW1340 S1 H1G Wasp
3 x 600 PS
Cockpit 3, Kabine 1
16
29,25 m
18,90 m
6,10 m
110,50 qm
8,2 Tonnen
10,5 Tonnen
190 km/h
ca. 120 km/h
250 km/h
ca. 825 km
ca. 4 Std. 20 Min.
ca. 500 m
ca. 350 m
1830 Liter